Montag, 14. August 2017

Minister Gerd Müller am 28. August 2017 mal was fragen in Bad Tölz

Wie der lokalen Presse zu entnehmen ist, wird uns der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am 28. August 2017 auf Einladung der örtlichen CSU in Bad Tölz besuchen.

Welche Freude für die Bewohner im Oberland, bietet es doch Gelegenheit ein paar ganz einfache Fragen an ihn zu richten und möglicherweise sein Verständnis von Fairtrade, zum Beispiel im Kaffeehandel, besser verstehen zu können.

Ich erinnere mich noch an das Radiogespräch im Bayerischen Rundfunk, das er vor seinem Besuch in Kenia führte. Dabei liess er keine Gelegenheit aus zu betonen, dass wir alle gefordert seien bei dem Thema fairer Handel beziehungsweise gerechte Entlohnung der Kaffeebauern in Kenia. Es gehe nicht an, so der Minister sinngemäß, dass Kaffee hierzulande zehn Euro koste und die Bauern dort 50 Cent daraus erhielten. Nun, da werfen sich doch einige Fragen auf.

Vergleicht der Minister nicht Äpfel mit Birnen, wenn er am Beispiel kenianischer Kaffee von zehn Euro Verkauspreis zu 50 Cent Einkommen der Bauern spricht?

Was kostet Rohkaffee in Deutschland?
Herr Minister, kenianischer Kaffee kostet momentan im Einkauf als Rohkaffee hierzulande zwischen 7,54 USD und 15,21 USD ex Hamburg bei Abnahme eines Sacks, je nach Sorte pro Kilogramm (gemäß einer Offerliste vom 8.8.2017). Kaffee aus Kenia für zehn Euro Ladenpreis kann es demzufolge nicht geben.

Was bekommen kenianische Bauern tatsächlich als Entlohnung?
Kenianische Bauern wären, so glaube ich nach den Gesprächen, die ich führen kann, zwar nicht glücklich über 50 Cent für ein Kilo Kaffee das sie abliefern, aber es ist deutlich mehr als das, was man Ihnen tatsächlich bezahlt. Dazu kommen dann auch Kosten aus den Vorjahren für bereits erhaltene Leistungen der Kooperative. Ach ja, und bezahlt werden die Bauern Monate später. Nämlich dann, wenn klar ist wieviel übrig geblieben ist vom großen Reibach im Kaffeehandel.

Das Schwert des Ministers ist stumpf
Kenianischer Kaffee kostet hierzulande weit mehr als zehn Euro im Laden, nämlich rund 25 Euro und mehr und kenianische Bauern erhalten empfindlich weniger für ihre Produkte als 50 Cent. Wenn ich davon ausgehe, dass Minister Müller Herr seiner Sinne ist und seine Zahlen bei vollstem Bewusstsein hinausschleudert, dann frage ich mich, wem dieses Jonglieren mit den falschen Zahlen nützt? Eventuell einer Kaffeeindustrie, die dann als Reaktion Spezialeditionen mit kenianisch klingendem Namen auf den Markt wirft und dazu verspricht irgendein soziales Projekt auf diesem Erdball damit zu befördern? Nun, um einen Kaffee kenianisch nennen zu dürfen bedarf es weniger Prozent des Packungsinhalts mit diesen Bohnen. Die restlichen rohen Bohnen kosten so zwei bis drei Euro das Kilogramm. Wer rechnen kann, ist im Vorteil.

Fairtrade Industrie, Bio und zu erzielende Preise
Klingt alles super, aber wer hat sich schon mal Gedanken gemacht, wie der Preis für Kaffee zustande kommt? Genau, an einer bzw. an verschiedenen Börsen. Zunächst in Kenia, jeden Dienstag. Ist öffentlich und kann sich jeder anschauen. Kaffee wird weiterhin an einigen weiteren, großen Börsen gehandelt. Ich möchte an dieser Stelle stellvertretend New York nennen. Physisch lagert demgegenüber der meiste Kaffee dieser Welt im Hamburger Freihafen.

Was ist also von den Heilsversprechen Fair und Bio zu halten?
Ich denke, jeder sollte den Nutzen daraus ziehen, den er gerne daraus zieht. Sei er nun virtuell, sei er nun tatsächlich.

Für mich persönlich kann ich vollständig darauf verzichten. Worauf ich nicht verzichten kann, sind jedoch Qualität, Qualitätsüberprüfungen und eine angemessene Entlohnung der Bauern. Beides hat meines Erachtens nicht zwingend mit Fairtrade und Bio zu tun.


Meine sortenreinen Kaffees: kein Fairtrade- und kein Biosiegel. Und das ist gut so.




Ach ja, Herr Minister: Wie steht es denn mit Fairtrade auf staatlicher Ebene?

Stichwort 2,19 Euro Röststeuer je Kilo und dann noch 7% Mehrwertsteuer
Lieber Gerd Müller, schenken Sie den Menschen doch reinen Wein ein. Nämlich, dass der Staat bei jedem Kilo Kaffee kräftig mitverdient. Stolze 2,19 Euro/kg klingeln in den Kassen, selbstverständlich neben der Mehrwertsteuer. Ein Gebaren, das es sonst nur noch in Belgien (0,2479 Euro/kg), Dänemark (rund 0,85 Euro/kg plus 25% MwSt.), Lettland (rund 1,37 Euro/kg), Norwegen (1,14% des Zollwerts) und Schweiz (2% MwSt.) gibt.

Fordern Sie dieses Geld beim Finanzminister ein und handeln Sie selbst erst einmal fair. Senden Sie dieses Geld direkt an die Bauern in Kenia. Die Hälfte bar und die andere Hälfte in eine Stiftung für Bildungs- und Selbstvermarktungsprojekte. Direkt auf der lokalen Ebene, denn nur ohne Partner aus der staatlich gelenkten Gutmenschen-und Strippenzieherindustrie, kommt es zu 100% dort auch an. Das wäre ein erster Schritt.

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