Dienstag, 22. Mai 2018

Gewerbliche Einfuhr von Kaffee nach Deutschland

Die Umgehung von Einfuhr- und Zollvorschriften: Kein Kavaliersdelikt, aber oftmals ein Delikt von renommierten Geschäftsleuten

Kleine Fische, große Haie

Gelegentlich steht es so oder ähnlich in der Zeitung: "Zoll erwischt Schmuggler mit 500 Kilogramm Kaffee". Bereits hier kann ein findiger Schmuggler an der gesparten Röstkaffesteuer einen Gewinn von knapp 1100 Euro einstreichen. Je nachdem wie die Steuersätze dafür in dem Land aussehen, aus dem die Bohnen (illegal) eingeführt wurden. Sein persönliches Risiko: hoch.

Beispielbild: Schmuggelversteck (www.zoll.de)

Aber lassen Sie mich einmal diese kleineren Steuersünder ausser Acht und der Frage nach gehen, wie man richtig unter Umgehung der deutschen Zollvorschriften beim Import von Kaffee absahnen kann, ohne Gefahr zu laufen persönlich aufgegriffen zu werden: Man schliesst ein Abkommen mit einer oder am besten gleich mehreren Regierungen im benachbarten Ausland, wobei es nur teilweise auf EU-Zugehörigkeit ankommt.

Double Irish with a Dutch Sandwich

Unter dem Stichwort Double Irish with a Dutch Sandwich könnten Sie eine Recherche starten und relativ rasch fündig werden, welche Unternehmen da in Frage kommen. Alles ganz legal (zumindest solange die EU nicht das Gegenteil findet), dennoch genauso mittelmäßig wie die Kaffeeerzeugnisse dieser multinationalen (denn darauf kommt es an) Unternehmen. Irrungen und Wirrungen und soviel Verstrickungen, dass der brave deutsche Steuermichel vor Scham errötet.
Es ist eben nicht alles Käse was hierher kommt, auch Kaffee aus Holland findet so seinen Weg zu uns in die allseits beliebten städtischen Filialen der Kaffeeexperten mit dem nordamerikanischen Flair.

Röstungen und Steuern vermeiden im Ausland

Wohin mit dem ganzen Geld, das man so erwirtschaftet? Gewinne sollen doch vermieden werden. Richtig: weitere Gesellschaften in weiteren Ländern fungieren als Muttergesellschaften ("Wer hat's erfunden?" lautet beispielsweise ein Werbeslogan im bezug auf eines dieser Länder) und nehmen Lizenzgebühren.

Was soll da der regionale, noch nicht mal nationale Erzeuger von Kaffee machen, wenn Wettbewerb in Recht und Praxis so aus den Angeln gehoben wird? Kaffee einführen und Kaffee verzollen ist doch nur was für Kaffeeröster ohne angeschlossene Rechtsabteilung.

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