Mittwoch, 9. August 2017

Trotz Mückenplage in Deutschland: Pyrethrumsektor in Kenia am Boden

Tanacetum cinerarii folium (aus Wikipedia) © by KENPEI*
Die Erfolgsstory des Sommers bleibt aus
Alle Jahre wieder, so auch dieses Jahr rauben uns die lästigen kleinen Insekten den Schlaf und verursachen juckende Stiche. Ganz besonders unangenehm scheint es dieses Jahr zu sein, auch bedingt durch die milden Winter und das derzeitige feuchte Klima in Bayern.

Eigentlich müsste man folglich glauben, den Bauern in Kenia geht es genau aus diesem Grund gut: Sie verkaufen tonnenweise Pyrethrum an uns, das wir in den gängigen Mückenschutzmitteln wiederfinden, ein sicherer Absatzmarkt. Weit gefehlt.


Bittere Blüte wird zur bitteren Pille für die Bauern
Während in den 1980er Jahren etwa 300000 Bauern Pyrethrum anpflanzten, sind es heute gerade mal 5000 Landwirte im ganzen Land. Ebenso mager verhält es sich bei den Ernten. Waren es vor 25 Jahren noch 17500 Tonnen, werden heute gerade mal 700 Tonnen im Jahr produziert. Und das bei Preisen von mageren, rund 90 Eurocent, die man den Bauern nun für ein Kilo der bitteren Blüten bezahlt. Noch 1998 produzierte Kenia 90% des weltweiten Pyrethrums und war unangefochtene Nummer Eins auf dem Markt.

Wenig verwunderlich, wenn die Bauern die meisten Pflanzen ausreißen (auch bei den Kaffeepflanzen passiert das leider immer häufiger, das sogenannte up-rooting) und nun Kartoffeln anpflanzen. Manche Bauern wollen jedoch nicht aufgeben und lassen immer noch einige wenige Pflanzen übrig. Man weiß ja nie: Vielleicht ändert sich ja alles noch einmal hin zum Guten und alles wird wieder wie früher als Produktion und Erträge stimmten.

Ursachen für den Niedergang in diesem Sektor der Landwirtschaft
Dagegen spricht, dass sich  große Versprechungen der Regierung mit ebenso großen Fehlschlägen und Enttäuschungen vereinen. Geld das im Rahmen der Landesentwicklung zur Unterstützung der Pyrethrumbauern eingeplant war ist verschwunden. Man sprich von knapp drei Millionen Euro. Glaubt man den Bauern, sitzen die Schuldigen im Pyrethrum Board of Kenya, kurz PBK. Noch immer steht beispielsweise die Bezahlung für die Ernten der Jahre 2012 und 2013 aus. Auch ist es ein Fehler das PBK gleichzeitig zur Regulierungsbehörde und zum Betreiber zu machen, anstelle hier eine klare Trennung zwischen Aufsicht und geschäftlicher Tätigkeit herbeizuführen.

Auch der Fokus hat sich verändert. Nachdem Pyrethrum lange Zeit kein Sorgenkind war, hat man begonnen massiv die damals am Boden liegende Zuckerproduktion zu fördern. Das rächt sich nun. Wie bei vielen Früchten in Kenia, spielt auch hier die Natur den Bauern eigentlich in die Karten, da Tanacetum cinerarii folium, so der botanische Fachbegriff für PyrethrumKälte benötigt. In den zentralen Regionen Kenias rund um den Mt. Kenya herrschen somit ideale Bedingungen. Mehr noch: Die Qualität der kenianischen Pflanzen sticht jede andere Sorte aus, wie etwa jene aus Lateinamerika oder Tasmanien, dem momentan weltweit größten Lieferanten.

Pyrethrum ist eine Chrysanthemenart und gilt als Kontaktgift für Insekten. Leider scheint es derzeit vor allem Gift in Gestalt von Verarmung der Bauern in der Zentralregion des ostafrikanischen Landes zu sein.


Tanacetum cinerarii folium (aus Wikipedia) © by Roger Culos**






*(KENPEI's photo) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.1 jp (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.1/jp/deed.en)], via Wikimedia Commons

**By Roger Culos (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons


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