Freitag, 13. Oktober 2017

Role Models in Afrika: Judy Thongori, Rechtsanwältin

Das Institute for Inclusive Security zählt Judy Thongori zu den handverlesenen 17 weiblichen Persönlichkeiten, die die Welt verändern können. Im Jahr 2015 empfiehlt diese Organisation dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama ein persönliches Treffen mit zehn Frauen aus Kenia, die er unbedingt kennen sollte. Wieder ist diese herausragende kenianische Rechtsanwältin darunter.

© by The Institute for
Inclusive  Security
Wer ist diese Frau und was zeichnet sie aus?

Nun, um dazu eine erste Einschätzung zu gewinnen, möchte ich interessierte Leser auf den Wikipedia-Artikel unter dem Stichwort Judy Thongori hinweisen. In der allgemeinen Wahrnehmung dürften eventuell zwei Dinge von entscheidender Bedeutung sein. Einerseits hat sie erfolgreich gegen die kenianische Regierung geklagt, weil sie zurecht die Auffassung vertrat, dass diese die Frauenquote von 30% nicht erfüllte. Auf der anderen Seite tritt Judy Thongori immer wieder als Kolumnistin in kenianischen Zeitungen und Zeitschriften öffentlich in Erscheinung.

Ich habe Judy Thongori anlässlich einer Wahlbeobachtung in Kenia kennen gelernt. Es ging um die Präsidentschaftswahlen 2002, aus denen im Anschluss Mwai Kibaki als Präsident Kenias hervor ging. Sie war damals für FIDA, eine internationalen Rechtsanwältinnenorganisation tätig. Gemeinsam mit ihrem Team aus engagierten Anwältinnen besuchte sie die Wahlstationen und war vorort für viele Bürgerinnen und Bürger Ansprechpartnerin bei Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit der Stimmabgabe.

Sie lud mich ein das Team an diesem Tag zu begleiten. Gerne habe ich zugesagt und viel gelernt über einen ganz normalen Wahltag in Kenia. Ich möchte betonen, dass es sich nicht um eine offizielle Wahlbeobachtungsmission, wie etwa der EU handelte. Diese offiziellen Missionen sind Geldvernichtungsmaschinen, die selbst die intransparenteste Veranstaltung sind, die man sich vorstellen kann.

Jedenfalls: Nach getaner Arbeit saßen wir dann zusammen, gemeinsam Kaffee trinken und über den Tag resümieren. Nicht als gute Freunde, sondern als Menschen, die ihre Mission dieses Tages sehr ernst genommen hatten. Judy und die anderen Rechtsanwältinnen hatten mich als ein Ergebnis unseres gemeinsamen Tages dann im Nachgang gebeten Informationen zu diesen europäischen Missionen zu sammeln und direkt in Deutschland bzw. Brüssel zu verschiedenen Themen nachzufragen und Antworten zu finden.

Die wesentlichen Fragen, die mir die FIDA-Anwältinnen stellten, waren: Wer sind die Teilnehmer der EU-Wahlbeobachtungsmission? Wodurch sind diese Personen qualifiziert? Weshalb strömen knapp zwei Wochen vor den Wahlen rund 140 Personen ins Land, quartieren sich in Luxushotels ein und behaupten irgendeine qualifizierte Einschätzung zu den Wahlen abgeben zu können? Weshalb werden im Zusammenhang mit der Mobilität dieser EU-Mission viele nagelneue Geländewagen gekauft und wo landen diese sehr teuren Fahrzeuge nachdem die Wahlbeobachter das Land nach kürzester Zeit wieder verlassen?

Im Frühjahr 2003 habe ich Judy folgende Antwort gegeben: "Meine Versuche Antworten zu diesen Fragen zu finden waren erfolglos. Sowohl in Deutschland, wo ich meine Wahlkreisabgeordneten der verschiedenen Parteien anfragte als auch auf EU-Ebene habe ich mit einer Ausnahme keine Antwort erhalten. Die eine Antwort war jedoch nur der Verweis auf eine zuständige Person bei der EU."

Shame on you, Mandatsträger und EU.






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