Freitag, 25. August 2017

Kenia: Und ewig grüßt das Gluckern des Wassertanks

© by Jovan Cormac (Wikipedia)
Mit diesem Phänomen habe ich bereits in den 1980er Jahren in Lateinamerika Bekanntschaft gemacht, dort verschwand es aber im Laufe der Zeit. In Kenia ist es eine andauernde Veranstaltung.
Für uns Wohlstandseuropäer ist es zumeist völlig unbekannt: Das Gluckern eines Wassertanks nach 22 Uhr. Überhaupt: was ist ein Wassertank?


Es gluckert in der Leitung. Was hat es damit auf sich?
Wenn Sie dieses Geräusch am Abend vernehmen, gehören Sie zu den schätzungsweise 90% der Bewohner Nairobis, die sich die knappe Ressource Wasser mit den anderen Hauptstadtbewohnern solidarisch teilen müssen. Während des gesamten vergangenen Tages haben Sie Wasser verbraucht, das nicht einfach aus der Leitung kam. Sie haben am Vorabend Wasser gesammelt bzw. im Verlauf von Tagen und Wochen Wassertanks in der Wohnung gefüllt. Dann haben Sie es rund um die Uhr aus diesen Tanks geschöpft.

Es gibt kein Wasser tagsüber. Dann werden Behörden, Militär und privilegierte Nutzer beliefert. Da Wasserknappheit herrscht, kann halt nicht jeder bedient werden. Glücklich wer den Mega-maxi-10000 Liter Wassertank auf dem Dach hat, am besten gleich zwei Stück davon. Am besten sie sind stets gut gefüllt. Der gute alte Spruch, "Spare in der Zeit", wo würde er mehr gelten als in Kenia?
Viele Kenianer haben aber wesentlich kleiner Tanks oder teilen sich einen Tank mit den Nachbarn.

Wie oft sind wir abends beim Essen gesessen und alle haben auf das Geräusch aus den Wasserleitungen gewartet. Dann - mehr oder wenig pünktlich - geht es los und dauert manchmal bis tief in die Nacht. Das Befüllen der Tanks - ein gutes Geräusch, ein sehr gutes sogar!

Es gibt leider auch Abende, an denen kein Wasser fliesst. Die einfache Formel lautet: Kein Gluckern, kein Wasser!

Wie lebt man mit Wasserknappheit?
Zunächst einmal kocht man Wasser sehr gewissenhaft ab, um daraus Tee, Kaffee oder Wasser zum Kochen zu haben. Wer Wert auf eine Dusche nach getaner Arbeit legt, lernt die Eimer-Füll-Methode in Verbindung mit der Eimer-über-dem-Kopf-entleeren Methode bei gleichzeitigem Shampoonieren des Körpers. Wer warmes Wasser will, mischt Wasser aus dem Tank mit gerade erhitzem Wasser. Man sollte auch immer ein wenig Wasser bunkern für Notfälle, für das WC oder wenn überaschend Besuch kommt.

Das war jetzt ein Szenario, das die Situation in einer einfachen Wohnung wider spiegelt. Selbstverständlich gibt es auch Wohnungen, die besser ausgestattet sind, gerade wenn ich an Durchlauferhitzer bei Duschen denke oder an kleine Wassertanks in einzelnen Räumem wie Bad oder Küche. Das ist dann schon ein angenhemer Luxus und das Upgrade gegenüber den Durchschnittswohnungen.

Wie lebt man nun mit derartiger Wasserverknappung? Man lebt.



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