Montag, 7. August 2017

Marshall-Plan für Afrika

- English Translation below -


Who has a better plan for us?

Kleines Ministerium und große Worte
Martialisch kommt er daher, der Plan des deutschen Ministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, verkörpert sein Name doch nicht zuletzt einen hohen amerikanischen Militärführer: Marshall. Wie das nun mit einem Plan für Afrika zusammenhängt, erschliesst sich dagegen nicht sofort.
Sieht der Minister sich wie ein ehemaliger Militärführer, der nun zum Politikerdiplomaten mutiert? Aus seiner bundesdeutschen Vita lässt sich das nicht notwendigerweise nachvollziehen. Eher stellt sich die Frage, wer berät ihn und welchen Stellenwert hat sein Ministerium im Kabinett, dass er sich solcher Kunstgriffe aus der Mottenkiste der Geschichte bedient?

Was bitteschön war der Marshall-Plan?
Deshalb kurz mal aufgeschlüsselt: Dieser Plan aus den 1940er Jahren wurde von kalten Kriegern entworfen, um Kommunismus und Sowjetunion im Nachkriegseuropa zurückzudrängen und gleichzeitig einen Absatzmarkt für die zu dieser Zeit herrschende Überproduktion der USA zu schaffen. Das Ganze mündet ehrenvollerweise in eine Hilfe für die hungernde und notleidende Bevölkerung auf dem europäischen Kontinent. Der wirtschaftlich messbare Erfolg des Marshall-Plans war jedoch bescheiden.

Braucht Afrika billige post-postkoloniale Propaganda aus Deutschland?
Nun einen Marshall-Plan für Afrika auszurufen ist billigste Propaganda, denn er basiert auf der Annahme, dass die deutsche Bevölkerung unter einem derartigen Plan etwas anderes versteht. Spielen nicht weniger die Fakten eine Rolle, sondern das Bauchgefühl über den allgemeinen Aufschwung in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg, den man möglichweise damit verbindet?

Was will der Marshall-Plan für Afrika?
Oder soll man den Bundesminister ernst nehmen? Dann frage ich mich, welche neuen Märkte für eine Überproduktion erschlossen werden sollen und wie es um die allgemeinen weltpolitischen Bemühungen steht, die Fronten des kalten Krieges aufzuweichen? Also, irgendwie wird aus der Nummer nichts mehr, man kann es drehen und wenden wie man möchte.

Zum Thema Märkte und fairer Handel, gerade im Bezug auf Äusserungen des Ministers zu Kaffee und der Situation von Kaffeebauern werde ich demnächst mal etwa schreiben.

Was ist Afrika - was ist Europa?
Sprache ist ja häufig verräterisch und ein Plan für Afrika per se ist ja schon ein Sprachmonster. Afrika ist ein Kontinent, kein Inkontinent, wo es überall rausläuft. Oder es mal andersherum zu formulieren. Wenn ich Finnland meine, sage ich Finnland und eben nicht Europa. Afrika besteht aus vielen Staaten unterschiedlichster Ausprägung. Reichere Staaten, ärmere Staaten, laizistische, streng religiöse um nur wenige Varianten zu nennen. Welche der mehr als 50 Nationen Afrikas sind denn nun gemeint, Herr Minister? Sucht man nach Gemeinsamkeiten, ohne dies als Rechtfertigung für den einen, großen Plan für Afrika zu verstehen, so ergeben sich mehrere Cluster. Eines davon ist die Bemühungen nach dem Ende der Kolonialisierung. Nicht falsch verstehen, ich meine damit nicht die Bemühungen der jeweiligen Länder in Afrika, sondern die Bemühungen der restlichen Welt den Status-quo möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaftsbosse
Dazu gehört dann eben auch die Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands und die geballte Lobby der Entwicklunghilfesindustrie. Tausende Stellen für sogenannte Ex-Pats stehen allein in Kenia auf dem Spiel. In diesem Land gibt es mehr als 5000 NGO, wie sieht es im Rest der Welt aus? Zuviele Menschen in Afrika haben Hunger, die NGO gehören auch dazu. Alle wollen bedient werden, nicht wenige legen einmal im Jahr Pläne bei den Geldgebern, z.B. supranationale Organisationen vor, kassieren die jährliche Unterstützung für ihr NGO und plantschen für ein weiteres Jahr in ihren Swimmingpools in den besten Gegenden Nairobis. Da gefällt mir fast schon die Haltung des Vorgängers im BMZ besser, der die Entwicklungszusammenarbeit als Unterabteilung des Wirtschaftsministeriums begriff. Das ist ehrlicher und spiegelt wider, dass jeder Euro der in Entwicklungshilfe investiert wird mindestens zwei Euro zurück bringen muss.

Gut dastehen
Das Hauptaugenmerk liegt im positiven Gesamterscheinungsbild, das Reisebegleiter im Regierungsjet aus deutschen Chefetagen von DAX, MDAX und SDAX im Umfeld ihrer bilateralen Verhandlungen und Verträge vorfinden sollen. Entwicklungszusammenarbeit dient da als sozialer Kitt ganz hervorragend.

Afrika den Afrikanern
Auch wenn es weh tut und es an vielen Stellen ein ganz böses Erwachen gibt, aber ein Weiter So wie in den vergangenen 50 Jahren zementiert die Verhältnisse. Und wer Böses dabei denkt, sagt eventuell genau das ist es doch, worum es geht: Geschäfte machen, stabiles Umfeld schaffen für die Konzerne (weshalb machen die das eigentlich nicht selbst und lassen den Steuerzahler die Zeche zahlen?) und ein paar schöne Fotos fürs globale Familienalbum  mit den lokalen Inhabern der Macht auf Augenhöhe. Der deutsche Michel denkt einfach und die lokalen Gesprächspartner sind dankbar dafür.

Es gibt keinen Grund die Staaten Afrikas zu hofieren. Die Eliten verfügen über Bildung, oftmals im Ausland erworben. An ihnen liegt es ihre eigenen Länder voranzubringen. Der Wille dazu ist bei einigen vorhanden, bei anderen nicht. Das sind rein innerstaatliche Probleme, die zuerst gelöst werden müssen. Und zwar ohne Einflussnahme von aussen. Dann können die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft des jeweiligen afrikanischen Landes Strategien und Pläne für die Zukunft formulieren. Dazu würde es passen, wie unter Geschäftspartnern üblich, die eigenen Waren und Dienstleistungen anzupreisen und ein überzeugendes Angebot im Außenhandel zu formulieren. Das kann der Angesprochene annehmen, einen Gegenvorschlag machen oder ablehnen.

Nur eines kann niemand aus solchen Geschäften ableiten: Dass dann noch finanzieller Spielraum für ganze Familenclans für Jobs, Limousinen und ein gutes Leben ist. Ja und, dass es deutsche Firmen gibt, die solchen eigentlich unseriösen Rechnungen ein kräftiges Nein entgegenhalten ist die condition sine qua non. Leider nur geträumt.

Ok, mein Kaffee ist fertig


Small dock, big words
What a martial pice of plan the Federal Minister of Economic Cooperation and Development has spun: a Marshall plan for Africa. What could be the ideas behind it. The more I think about it: all doesn't make too much sense to me. Is the minister a wanabee diplomat in a politician's cloths, lacking a career before this job? Or is he trying to promote his department by injecting unbalanced ideas into the orbit?

What for heaven's sake was the Marshall Plan and what could it have to do with 2017?
Created in the 1940s it was designed by cold war strategists to increase the influence of the US in Central Europe in an unparalled effort to find new markets for contemporary American overproduction and by reducing the influence of the Soviet Union and communism. A pro bono side-effect was the help for the suffering people in postwar destroyed Europe. Economically speaking the Marshall Plan did not fulfill the expectations.

Does Africa need cheesy post-postkolonial propaganda from Germany?
The assumption of a Marshall Plan for Africa that it has a meaning for the German citizens is that Germans mix-up historical facts with beliefs. In the common memory it was a good and helpful plan, coming at the right time, helping the right people. So, why not repeating this story of success and give it a similar name. The world will understand: What helped us, is good for every chosen people.
Only, it doesnt't work like this in reality.

What could be the ends of a Marshall Plan for Africa?

Or should we take the Federal Minister serious? Which would be the new markets to balance a German overproduction? Why use cold war rhetoric in times with quite different challenges. Are we facing a new escalation of cold war soon and our Minister is spearheading an avantgarde? Seriously, I cannot find anything positive in the topic, the way it was brought up.

In a future post, I will refer to quotes by the Minister about markets and fairtrade, especially in relation to coffee and the situation of small-scale farmers. 

What is Africa - what is Europe?

Language is a traitor and a Plan for Africa is per se an inconsistent monster of failed linguistics.
Africa is a continent and not an incontinent. No need to stop dripping at each corner. Let me formulate it the other way round: If I mean Finland, I say Finland and I do not say Europe all the time. Africa comprises many countries of sometimes very diverging characteristics. Richer nations, poorer nations, secular or very religious from its cultural core, to name but a few. Which of the more than 50 countries are we talking about here? Looking for common ground, without meaning it as a justification for the one, the big Plan for Africa we find several clusters. Let us focus on joint efforts after the end of colonialization. Sorry, this doesn't mean the efforts of individual African countries, but the efforts of the rest of the world to keep the status-quo alive.

Development cooperation and business leaders
German development cooperation and the hardcore lobbying of a whole development aid industry are part of the game. Thousands of jobs for so-called ex-pats are at stake in Kenya. This country alone nurtures approximately 5000 NGO. What is the trend in NGO, thinking of more tha 150 countries globally?

Too many people in Africa are starving, the ex-pats in the NGO industry have joined the hunger lines from the front. All of them need feeding, a lot of NGO hand in budget plans once a year, cash in the money and go back to their swimming pools in posh Nairobi neighborhoods. Under these circumstances I start liking how the former Federal Minister of Economic Cooperation and Development has put it, when claiming that Economic Cooperation and Development is a sub-department of the Ministry of Economy. That sound honest and resembles that each euro invested in development cooperation needs to be balanced witha return of two euros.

Leaving a good impression
Bilateral contacts need a lot of positive background music. Otherwise the interests of business leaders could be threatened, whether arriving in government business jets or not. Development Cooperation forms the framework, the bittersweet flowers on the banquets tables.

Africa for the Africans
Even if it gets rough, but business as usual like in the last five decades will not help to improve the situation; quite contrary it will be another deadly stroke for any progress. So here is the plot for drama: Old style businessmen who make business, while sitting on the skeleton of Africa and a fresh, new class of entrepreneurs in Africa with brains to make it a better place. Development is an inner problem of the individual countries of Africa, no outside mingling on the wishlist. With a clear plan in mind, the ones in charge can forward any business proposal to outside partners of the Western hemisphere. This will give the Europeans a chance to do business: Accept, make your own offer or deny. Like any other business. Why does it not work like this with partners from Africa?

Family clans in power beware: there will be no freebies in form of jobs, limousines or a good life on the expenditures of the people anymore. No more buddyism. And there will be only German companies that will not calculate prices with special allowances anymore and will shout out loud and clear: No, not with us! Just a dream.

Ok, coffee is ready.













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